Wenn die Angst den Alltag bestimmt

Angststörungen

Angst ist eine überlebenswichtige Emotion, da sie uns vor Gefahren frühzeitig warnt und uns zu Vorsicht und Vermeidung drängt. Bei Angststörungen ist  dieses Warnsystem jedoch gestört, sodass intensive Angst auch in “gefahrenlosen” Situationen entsteht. Häufig wird die Angstreaktion zusätzlich von unangenehmen körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Hitzewallungen, einer gesteigerten Darmtätigkeit, Gefühl des Konrollverlustes oder der Ohnmacht begleitet, die wider rum die Angstreaktion verstärken und intensivieren. Im Extremfall mündet die Reaktionskette in einer ausgewachsenen Panikattacke, die oftmals mit Todesangst einhergeht und in einem Erschöpfungszustand endet.
Die bekanntesten Vertreter der Angststörungen sind wiederkehrende Panikattacken, Agoraphobische Ängste (z.B. vor Menschenmengen, U-Bahnfahren, Ort und Situationen aus denen man schlecht fliehen kann), sozial Phobien (extreme Angst vor Blamage und Bloßstellung im sozialen Kontext), spezifische Phobien (z.B. vor Hunden, Spinnen, Blut- und Spritzen, Höhenangst, usw.) und generalisierte Angststörungen (der Alltag wird vom ständigen sich-sorgen bestimmt).


Woran erkenne ich eine Angststörung?

Die Entwicklung einer Angststörung ist meist ein schleichender Prozess. Das Gefühl der Angst ist uns seit der Geburt bekannt und daher nichts Neues. Erste Anzeichen einer gestörte Angstreaktion sind zum Beispiel, wenn Sie Ängste in Situationen entwickeln, die eigentlich gefahrlos und “normal” sind sowie bei den meisten Menschen keine vergleichbare Reaktion auslösen.


Wie werden Angststörungen behandelt?

Nicht behandelte und chronifizierte Angststörungen führen bei den meisten Betroffenen im Laufe der Jahre zu massiven Funktionseinschränkungen im sozialen, berufliche und familiären Bereich oder zur Isolation, wenn die Personen nicht mehr das Haus alleine verlassen können. Zudem steigt das Risiko einer Arbeitsunfähigkeit sowie das Risiko weitere psychischer Erkrankungen, wie beispielsweise eine Depression aufgrund der anhaltenden Belastungen, Leidensdruck und Funktionseinschränkungen zu entwickeln. Oftmals vergehen mehrere Jahre bis eine betroffene Person sich erstmal sin professionelle Behandlung begibt.
Angsterkrankungen werden primär im Rahmen einer Psychotherapie behandelt. Eine gute Wirksamkeit konnte im Besonderen für die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) nachgewiesen werden. Bei der KVT stehen konfrontative Verfahren, wie die wiederholte begleitete und unbegleitete Angstexpositionen sowie die Vermittlung von Strategien und Tricks zum kontraphobischen Verhalten im Vordergrund.
Für Personen, die weniger von einer KVT profitiert haben oder sich generell für eine tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie interessieren, können diese Form der Psychotherapie auch in Anspruch nehmen.
Eine medikamentöse Therapie kann anfangs begleitend stattfinden, sollte im Laufe der Psychotherapie jedoch beendet werden, damit der Patient lernt, angstbesetzte Alltagssituationen selbstständig zu bewältigen, ohne von der beruhigenden und dämpfenden Wirkung von Medikamenten abhängig zu sein. Bei seltenen Ereignissen, wie zum Beispiel bei Flugangst, kann für den Flug in den Urlaub durchaus eine beruhigendes Medikament zur Sicherheit mitgenommen oder eingenommen werden.
Das Ziel der Angsttherapie sollte immer eine selbstwirksame und selbstständige Bewältigung der Ängste sein, damit sich die Angstreaktionen im Verlauf der Behandlung wieder normalisieren und die Einschränkungen im sozialen, beruflichen und familiären Bereich abgebaut und die Lebensqualität wieder aufgebaut werden kann.

Welche Angsterkankungen gibt es?


  • Panikattacken und Panikstörung
  • Agoraphobie
  • Soziale Phobie
  • Spezifische Phobie
  • Generalisierte Angststörung
Panikattacken und Panikstörung

Eine Panikattacke ist ein Zustand intensivster Angst, die oftmals unvorhersehbar und ohne konkreten Auslöser entsteht. Die Angst erreicht dabei innerhalb von 10 Minuten ihren Höhepunkt,  teilweise mit Todesängsten, und flacht dann wieder ab. Die Panikattacke wird von verschiedenen körperlichen Symptomen begleitet, wie beispielsweise Herzrasen, Brustschmerzen, Erstickungsgefühlen und Atemnot, Schwindel und Entfremdungsgefühlen. Viele Menschen erleben mindestens eine Panikattacke in ihrem Leben. Etwa 2-4% der Bevölkerung entwickeln darüber hinaus eine Panikstörung. Von einer Panikstörung wird dann gesprochen, wenn die Angst vor einer erneuten Panikattacke im Vordergrund steht. Dies betrifft oftmals  Personen, die an wiederkehrenden Panikattacken leiden und Angst vor einer erneuten Panikattacke, aufgrund ihres höchst unangenehmen Charakters, entwickeln.
Panikstörungen können wirkungsvoll im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie behandelt werden. Die Patienten lernen sich Ihren Ängsten im geschützten Setting zu stellen und unter Anwendung von spezifischen Strategien und Tricks sich kontraphobisch zu verhalten, mit dem Ziel, dass sich die Angstreaktion wieder normalisiert.
Panikattacken können auch im Rahmen einer depressiven Erkrankung auftreten. In diesem Fall muss vorrangig die Depression behandelt werden.

Agoraphobie

Die Agoraphobie ist charakterisiert durch die Angst vor Situationen oder Orten, aus denen man schwer fliehen kann oder Hilfe schwer zu bekommen ist. Typische Situationen und Ort sind U-bahn- und S-bahn-fahren, lange Fahrten in Aufzügen, im Flugzeug fliegen, alleine zu Hause oder weit weg von zu Hause sein, große Menschenmengen, warten in einer Schlange im Supermarkt. Aufgrund der übertrieben Angstreaktion und dem hohen Risiko dann eine Panikattacke zu entwickeln, werden diese Situationen und Ort gemieden oder nur mit einer anderen Person (Sicherheitsanker) betreten und unter großem Unbehagen “durchgestanden”. Wird das Vermeidungsverhalten verstärkt und aufrechterhalten kommt es oft zu einer Zunahme an Einschränkung im Lebens- und Berufsalltag, da bestimmte öffentlich Verkehrsmittel oder (soziale) Situationen (z.B. Kino-, Theaterbesuch, Innenstadt, Einkäufe im Supermarkt, usw.) nicht mehr aufgesucht werden können. Im Extremfall kann die Person bei einer chronifizierten und nicht behandelten Agoraphobie das eigene Haus nicht mehr verlassen.
Viele Patienten, die eine Agoraphobie entwickelt, hatten in der Vorgeschichte wiederkehrende Panikattacken bzw. eine Panikstörung. Aufgrund der Angst vor einer erneuten Panikattacke werden daher vorrangig Situationen und Orte gemieden, aus denen man nur schwer entkommen kann oder schwer Hilfe bekommt.
Die Agoraphobie wird häufig mit der Platzangst verwechselt. Platzangst, also die Angst vor geschlossenen Räumen, gehört jedoch zu den spezifischen Phobien und ist als Klaustrophobie klassifiziert.

Soziale Phobie

Personen mit einer sozial Phobie fürchten Situationen, in denen Sie potentiell im Fokus der Aufmerksamkeit stehen und ihnen etwas peinlichen passieren oder sie sich blamieren könnten. Hierbei steht die Angst vor negativer Bewertung oder Kritik durch Mitmenschen im Vordergrund. Sozialphobiker haben meistens einen eher niedrigen Selbstwert und gelten allgemein als eher ängstlich und zurückhaltend. Typische Angstsituationen sind vor anderen Leute sprechen (z.B. Referat, Vortrag halten), vor anderen essen, schreiben, sich sportlich bewegen müssen, z.B. zum Bus rennen, in der Schule etwas vorführen. Die soziale Ängste werden üblicherweise durch körperliche Symptome wie erröten, zittern, weiche Knie, zittrige Stimme, erhöhte  Darmtätigkeit begleitet, die die Angst vor Blamage noch verstärken. Als Konsequenz werden diese genannten Situationen vermieden, was zu massiven Einschränkungen im sozialen Bereich, in der Schule, Studium oder auf der Arbeit sowie Isolation führen kann.

Spezifische Phobie

Diese Form der Ängste sind meist auf eng umschriebene Situationen beschränkt. Dieses können alle möglichen Situationen betreffen. Am häufigsten beziehen sich die Ängste auf Tiere (Spinnen, Insekten, Vögel, Hunde, usw.), geschlossene Räume, Türme, Höhen, Donner, Dunkelheit,  tiefes Wasser, Blut, Spritzen, Krankenhäuser, öffentliche Toiletten, Schmutz und Verletzungen, Prüfungen, Erröten. Wird man mit einer dieser Situation konfrontiert entsteht die Angstreaktion mit den typischen körperlichen Begleiterscheinung wie zittern, Hitzewallung, weiche Knie, usw.
Wie bei den übrigen Angsterkrankungen kann auch hier eine wiederholte Expositionstherapie im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie effektiv helfen.

Generalisierte Angststörung

Bei der generalisierte Angststörung (GAS) sind ein ständiges Angstgefühl und Sorgen über viele verschiedene Dinge des Alltags (z.B. jemand könnte einen Unfall haben, an etwas schlimmes erkranken, einem selbst könnte etwas schlimmes widerfahren) vorherrschend, welche sich oftmals in unendlichen Sorgenketten äußern, was den Betroffenen sehr belastet. Auch schon Berichte im Fernsehn, in Zeitschriften oder von Freunden über Unfälle, Krankheiten, oder Katastrophen können stundenlange Sorgenattacken auslösen. Bei einer chronifizierten GAS werden alle möglichen Informationsquellen vermieden und es tritt ein übertriebenes Rückversicherungsverhalten auf, z.B. eine vertraute Person muss wiederholt bestätigen, dass nichts passiert ist, Arztpraxen werden regelmäßig konsultiert, um sicher zu gehen, dass keine Erkrankung vorliegt, usw. Der anhaltende Angst- und Sorgenzustand wird dabei von verschiedenen körperlichen Symptomen wie Nervosität, Muskelspannung, zittern, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühl oder Oberbauchbeschwerden begleitet.


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