Wenn die Seele überfordert ist

Belastungsstörungen

Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

Belastungsstörungen entstehen dann, wenn ein außergewöhnliches akutes oder chronisches Ereignis die Bewältigungsfähigkeit des psychischen Apparates  übersteigt, sodass es zu Störungen in der Anpassungsreaktion auf dieses Ereignis kommt. Zu den Belastungsstörungen zählen unter anderem die akute Belastungsreaktion, die Anpassungsstörung, die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und komplexe Traumafolgestörung.


Belastungs- und Anpassungsstörungen rufen oftmals einen körperlichen Krisenzustand hervor

Es entstehen Symptome auf folgenden Ebenen:

vegetative Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Erröten

kognitive Symptome wie Gedächtnis-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen

Veränderungen in den Emotionen wie Ärger, Aggression, Angst und Hoffnungslosigkeit

Veränderungen im Verhalten durch eine erhöhte Schreckhaftigkeit, panisches umherlaufen, Schlafstörungen

“betäubte“ sensorische Wahrnehmung



Belastungsstörungen im Überblick



akute Belastungsreaktion

Dabei handelt es sich um eine vorübergehende gestörte Reaktion, die innerhalb einer Stunde auf eine außergewöhnliche Krisensituation folgt, z.B. ein Unfall, Konfrontation mit körperlicher oder seelischer Gewalt oder der unerwartete Verlust eines geliebten Menschen. Eine gestörte Reaktion kann sich in einer Art “Betäubung“, Bewusstseinseinengung, einer eingeschränkten Aufmerksamkeit, Desorientiertheit oder der Unfähigkeit die Reize zu verarbeiten zeigen. Die Symptome klingen meist nach einigen Stunden oder wenigen Tage wieder ab. Sollten die Symptome anhalten, kann sich eine posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) daraus entwickeln. Bei einer PTBS sollte eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis konsultiert werden.


Anpassungsstörung

Kann nach einer einschneidenden Lebensveränderung oder nach einem belastendem Lebensereignis entstehen, wenn die Anpassungsreaktion an das neue Ereignis gestört ist. Typische Ereignisse können zum Beispiel Scheidung, Geburt eines Kindes, Hochzeit, Arbeitsplatzverlust, Eintritt in den Ruhestand, erreichen eines lang ersehnten Zieles, Verlust eines geliebten Menschen, Flucht, Kulturschock und Emigration sein. Veränderungen im Erleben und Verhaltens sind daher auf diesen klar umrissenen Auslöser zurückführbar. Typisch Symptome der Anpassungsstörung sind ein subjektives Gefühl der Bedrängnis, sozialer Rückzug und verändertes Sozialverhalten, Gefühl der Leere, Freudlosigkeit, Angst,Sorgen, Trauer, depressive Verstimmung, die auch kurzfristig zu einer Arbeitsunfähigkeit führen können.
In der Regel erfolgt die Anpassung an die neue Lebenssituationen nach einigen Wochen oder Monaten und die Symptome verschwinden. Sollte die Symptomatik jedoch länger als ein halbes Jahr bestehen, kann die Anpassungsstörung in eine depressive Episode übergehen, die je nach Schwere und Dauer behandlungsbedürftig wird. Trotz des kurzfristigen Charakters kann bei einer Anpassungsstörung eine psychotherapeutische Praxis aufgesucht werden, um im Rahmen einer Kurzzeittherapie den Umgang mit und die Anpassung an das neue Lebensereignisse zu bearbeiten.


posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Einer PTBS geht immer ein oder mehrere Ereignisse mit außergewöhnlich bedrohendem Ausmaß vorraus, das eine direkte Bedrohung des eigenen Körpers oder Leben oder einer anderen Person beinhaltete. Das Ereignis ist so katastrophal, dass es bei den meisten Menschen eine tiefe Verzweiflung auslösen würde. Einige Beispiele für diese Form der Ereignisse sind ein schwerer Verkehrsunfall, Brandkatastrophe, gewalttätiger Überfall oder Angriff, Vergewaltigung, Geiselnahme, Terroranschlag, auffinden einer Leiche. Die Entwicklung einer PTBS muss nicht zwingend direkt nach dem Ereignis auftauchen, sondern entsteht oftmals erst Wochen oder Monate später; es handelt sich dabei eher um eine verzögere Reaktion auf das belastende Ereignis. Häufig erleben die betroffenen Personen das Ereignis in Form von Intrusionen wie Flashback (plötzlich, real erlebte Erinnerungen) wieder, was zu massiven Furcht- und Angstzuständen führen kann. Weitere Symptome sind eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Hypervigilanz (erhöhte Aufmerksamkeit), Schlafstörungen, vor allem Alpträume über das Ereignis, emotionale Betäubung, innere Leere, sozialer Rückzug, Freudlosigkeit, Vermeidung bestimmter Orte oder Situationen, die an das Ereignis erinnern. PTBS wird im Rahmen einer Psychotherapie behandelt. Es gibt spezielle Traumatherapien wie die EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), narrative Traumatherapie oder kognitive Verhaltenstherapien, die mit imaginative Verfahren wie das imaginary rescripting arbeiten.


komplexe Traumafolgestörung

Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (komplexe PTBS) ist bisher noch nicht als Diagnosekategorie im Katalog der Klassifikationssysteme für psychische Störungen aufgenommen. In Zukunft wird es aber auch möglich sein, eine komplexe PTBS zu diagnostizieren und angemessen abbilden zu können. Die komplexe PTBS ist dadurch gekennzeichnet, dass es im Gegensatz zur PTBS, zu wiederholten oder anhaltenden schweren Traumatisierungen gekommen ist, zum Beispiel in Form von jahrelangem körperlichen, emotionalen oder auch sexuellem Missbrauch und extremer Vernachlässigung in der Kindheit, Gefangenschaft und Folter, wiederholte Gewalteinwirkung, Krieg und Flucht. Im Verlauf kann es aufgrund der chronischen Traumatisierungen, neben dem Auftreten der typischen Symptome einer PTBS, auch zu Veränderungen im Wesen der betroffenen Personen kommen. Dies kann sich in folgenden Symptomen äußern: Störungen in der Affektregulation, besonders im Umgang mit Ärger und Wut, selbstschädigendes Verhalten, Suizidalität, Bewusstseinsstörungen, wie Dissoziationen, Gedächtnisverlust und Konzentrationsstörungen, sozialer Rückzug, Isolation, Probleme anderen Menschen zu Vertrauen, Vermeiden von Beziehungen aufgrund der Gefahr der Reviktimiserung durch andere Personen, Entwicklung verschiedener körperlicher Beschwerden, Schlafstörungen, vorherrschende Gefühle der Schuld, Scham, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Die Behandlung einer komplexen PTBS sollte im Rahmen einer Langzeit-Psychotherapie mit einer/m erfahrenden Psychologischen Psychotherapeuten/in, Psychosomatiker/in oder Psychiater/in erfolgen.


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