Wenn die Seele verzweifelt ist

Depressionen

„Man empfindet keine Freude mehr, man ist energielos, man fühlt ist ständig niedergeschlagen und kann sich nicht aufraffen, etwas zu tun.“

Viele Menschen kennen das Gefühl, niedergeschlagen und antriebslos zu sein. Im Gegensatz zu einer vorübergehenden Deprimiertheit, bleiben die depressiven Symptome jedoch bestehen. Eine depressive Episode kann sich von einigen Wochen bis zum mehreren Monate erstrecken. Die Ursachen einer Depression können dabei mannigfaltig sind. Allgemein wird von einem multifaktoriellen Erkrankungsmodell gesprochen, bei dem sowohl genetische, neurobiologische, psychische als auch soziale oder kulturelle Faktoren eine Rolle spielen. Andererseits ist auch bekannt, dass sowohl schwerwiegende emotionale oder traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit das Risiko erhöhen können, an einer Depression zu erkranken. Im Folgenden beschreiben wir die Depression, ihre Symptome und mögliche Ursachen ausführlicher.


Hauptsymptome

Niedergeschlagenheit

Verlust des Interesses und der Freude an Dingen und Aktivitäten, die normalerweise Spaß bereiten oder als angenehm empfunden werden

Antriebslosigkeit, Trägheit und eine gesteigerte Ermüdbarkeit


weitere häufige Symptome

Sozialer Rückzug

Verlust des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens

Schuldgefühle, Selbstvorwürfe

wiederkehrende Gedanken an den eigenen Tod oder daran das eigene Leben beenden zu wollen

verminderte Denk- und Konzentrationsfähigkeit

Körperliche Unruhe

Schläfstörungen (Probleme ein- und durchzuschlafen, frühmorgendliches Erwachen)

Veränderung des Appetits, entweder Appetitverlust mit Gewichtsverlust oder gesteigerter Appetit mit Gewichtszunahme

Verlust der sexuellen Lust (Libidoverlust)

Morgentief



Was ist Depression?


Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und unterscheiden sich von der normalen „Traurigkeit“ durch Art und Dauer der Symptome. Um von einer Störung mit Krankheitswert zu sprechen, müssen über einen längeren Zeitraum ausreichend viele Symptome auftreten, darunter eine depressive Verstimmung und/oder ein deutlich vermindertes Interesse. Die Symptome müssen überdies die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinträchtigen.

Die Statistiken der letzten Jahre zeigen, dass etwa 8% der Erwachsenen in Deutschland derzeit an einer depressiven Episode leiden. Das sind mehr als 6 Millionen Menschen. Man kann davon ausgehen, dass jeder Achte im Verlauf des Lebens einmal an einer Depression erkrankt. Dabei ist nicht jede depressive, düstere oder traurige Stimmung eine psychische Erkrankung. Die Depression ist keine negative Stimmungslage, von der man sich leicht „erholen“ kann. Sie hat auch nichts mit persönlicher Schwäche oder Fehlern zu tun. Sie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die Menschen jeden Alters treffen kann. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erfahren eine drastische Verschlechterung ihres Soziallebens: Erhöhte Arbeitsfehlzeiten, Verlust von Sozialkontakten, zunehmende Konflikte in der Familie und Partnerschaft. Häufig führt eine Depression zu einer zeitweiligen oder dauerhaften Arbeitsunfähigkeit. Im Allgemeinen zeigt sich, dass Frauen 1,5-mal so häufig von Depression betroffen sind als Männer.  Allerdings sind Krankheitsverlauf und Rückfallhäufigkeit bei Männern und Frauen annähernd gleich.


Klinische Depression

Von einer klinischen Depression spricht man, wenn die Anzahl und Dauer der präsentieren depressiven Symptome eine bestimmte Grenze überschreiten, was zu massiven Funktionsbeeinträchtigungen und Leidensdruck bei der betroffenen Person führt. Die Ausprägung der depressiven Symptomatik erfüllt hierbei die Kriterien einer klinisch relevanten Depressionen, die dem Bereich der affektiven Störungen zugeordnet wird. Eine klinische Depression bedarf immer einer professionellen Behandlung durch einen Arzt oder ärztlichen bzw. psychologischen Psychotherapeuten. Wenn eine Depression nicht richtig behandelt wird, kann die Schwere der Symptomatik zunehmen und unter Umständen zu lebensbedrohlichen Situationen, in Form von drängenden Suizidgedanken, führen.



Unipolare Depressionen

Eine unipolare Depression ist dadurch gekennzeichnet, dass jemand über einen längeren Zeitraum an einer depressiven Episode leidet. Wenn diese Episoden im Laufe des Lebens wiederkehrend sind, sprich man von einer rezidivierenden depressiven Störung. Beide Depressionsverläufe gehören zu den affektiven Störungen und bedürfen einer Behandlung. Bei den wiederkehrenden Episoden ist zudem eine ausführlichen Rückfallprophylaxe zu empfehlen.



Bipolare Depressionen

Bei der bipolaren Depression treten neben depressiven Episoden (Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit) auch manische Episoden mit folgenden Symptomen auf: extrem gehobene Stimmung, Überaktivität, vermindertes Schlafbedürfnis, risikohaftes Verhalten, soziale Enthemmung, hohe Geldausgaben, Größenideen, persönlichkeitsfremdes Verhalten. Durch das manische Verhalten entsteht bei den Betroffenen oftmals ein massiver sozialer und finanzieller Schaden. Eine manische Episode erstreckt sich meist über mindestens 1 Woche, ist jedoch insgesamt kürzer als eine depressive Episode. Hält die Phase der Überaktivität und gehobenen Stimmung nur einige wenige Tage an und ist insgesamt weniger stark ausgeprägt als eine Manie, spricht man von einer “hypomansichen“ Phase. Bei der bipolaren Depression werden daher gleichsamen beide “Pole“ des affektiven Spektrum erfüllt. Oft stürzen die betroffenen Personen nach einer manischen Episode in eine depressive Episode ab. Eine bipolare Störung bedarf immer einer konsequenten medikamentösen Behandlung durch einen Facharzt für Psychiatrie. Eine psychotherapeutischen Behandlung sollte begleitend stattfinden.



Dysthemie

Die Dysthymie gehört auch zu den langanhaltenden affektiven Störungen. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die depressive Verstimmung über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren erstreckt, in dem die betroffene Person überwiegend depressiv ist. Die Ausprägung der depressiven Symptomatik ist dabei weniger stark ausgeprägt als bei einer mittelgradig oder schwer ausgeprägten depressiven Störung. Jedoch kommt es vor, dass die betroffene Person in eine mindestens mittelgradig ausgeprägte depressive Episode abrutschen kann; dann spricht man von einer Doble Depression (doppelte Depression).



Ursachen der Depression

Es ist schwierig, eine einzelne Ursache für eine Depression zu benennen. Häufig ist es eine Kombination mehrerer Faktoren.

Biochemische Faktoren

Studien haben gezeigt, dass bei Depression das Gleichgewicht verschiedener chemischer Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn gestört ist (wie z. B. Serotonin, Noradrenalin). Neuere Untersuchungen zeigen aber auch, dass ein reduzierter Serotonin-Spiegel allein zur Erklärung einer Depression nicht ausreicht. Es hat sich außerdem gezeigt, dass Depressionen mit verschiedenen Mustern gestörter Hirnaktivität in Zusammenhang stehen, meist im Zusammenhang mit veränderten Kommunikation zwischen einzelnen Gehirnarealen.


Genetische Faktoren

Depression sind nicht vererbbar. Jedoch ergibt sich bei Kindern, bei denen entweder eins oder beide Elternteile an Depressionen litten, eine 1,5 bis 3-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit selber im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, im Vergleich zu Kindern, die keine depressiven Eltern haben. Auch besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko bei eineiigen Zwillingen im Vergleich zu zweieiigen Zwillingen oder Geschwistern.
Das bedeutet, dass die Veranlagung (Disposition) eine Depression zu entwickeln zum Teil von genetischen Faktoren mitbestimmt wird.


Licht

Eine spezielle Form der Depression ist die saisonal-affektive Störung, oder auch Winterdepression genannt. Es wird vermutet, dass vor allem ein Mangel an Tageslicht, Lichtintensität und das Ausgesetztsein gegenüber längeren Dunkelphasen das saisonale Auftreten der Depression fördern. Der Lichtmangel kann zu einer erhöhten Produktion des Schlafhormon Melatonin führen, was wiederum Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Stimmungstiefs hervorrufen kann. Jedoch sind die Ursachen für das Auftreten seiner Winterdepression nicht abschließend geklärt.

Psychosoziale Faktoren

Einschneidende Lebensereignisse, wie eine Scheidung, ein Todesfall, der Renteneintritt, aber auch die Geburt eines Kindes oder eine berufliche Beförderung können zur Entstehen einer Depression beitragen. Diese Situationen können ein hohes Maß an Anspannung, Stress und Überforderungserleben verursachen.
Das soziale Umfeld kann aber auch einen positiven Einfluss auf die Depression haben. Eine stabile Partnerschaft, Freunde, die einen unterstützen sowie eine gute Arbeitsstelle können dem Leben eine Struktur geben und ein soziales Sicherungsnetz bilden.


Psychologische Faktoren

Erlernte depressive Denkweisen (“alles ist schlecht“) und negative Einstellungen zu sich selber (“Ich bin ein Versager“) und der Welt (“andere Menschen mögen mich nicht“) können die Entstehung einer Depression begünstigen. Zudem können ein Mangel an hilfreichen (Stress)bewältigungsstrategien, ein niedriger Selbstwert und eine ängstliche Grundstruktur die Entwicklung von Depressionen im Laufe des Lebens fördern.Als einen weiteren wichtigen Punkt ist das Verdrängen von schmerzhaften Gefühlen und Gedanken zu nennen, die auf eine unverarbeitete traumatische Erfahrung (in der Kindheit) zurückzuführen sind. Unverarbeitete Traumata können die Entstehung einer Depression begünstigen.


Organische Faktoren

Einige körperlichen oder “organische“ Erkrankungen wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, Tumorerkrankung, Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen am Gehirn können die Entwicklung einer Depression hervorrufen. In diesem Fall würde man von einer organischen affektiven Störung sprechen, die primäre eine medizinisch-somatische Behandlung erfordert. Die körperliche Erkrankung kann zu Stoffwechselstörungen führen, die das Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn negativ beeinflussen können, was in der Konsequenz zu depressiven Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Stimmungstief, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen führen kann. Bevor eine Depression als Diagnose gestellt wird, müssen vorerst organische Ursachen ausgeschlossen werden.


Sind Sie auf der Suche nach Hilfe bei der Diagnostik oder Bewältigung von Depressionen?

Unser Therapiezentrum bietet umfassende Diagnostik und personalisierte Behandlungspläne an.

Logo_neuroCare_bunt_Poster_vector_white

Das neuroCare Therapiezentrum München bietet seit 2016 neben der psychotherapeutischen Grundversorgung, personalisierte Therapieverfahren mit modernster Neuromodulationtechnologie an. So nutzen wir beispielsweise bei ADHS erfolgreich die Technologie des Neurofeedbacks. Das Therapieangebot richtet sich sowohl an Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene.

www.neurocare-therapiezentren.de

Copyright neuroCare Group GmbH 2019