repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)


  • Funktioniert rTMS?
  • Kann ich nur rTMS, ohne Psychotherapie, erhalten?
  • Wie viele Sitzungen brauche ich?
  • Hat rTMS Nebenwirkungen?
  • Verursacht rTMS Schmerzen?
  • Ist die Wirkung von rTMS anhaltend?
  • Worin unterscheiden sich rTMS und Neurofeedback?
  • Was ist der Unterschied zur Elektrokonvulsionstherapie (EKT)?
  • Kann man mit rTMS auch bipolare Störungen oder Angst behandeln?
  • Bin ich nach der Behandlung fahrtüchtig?
  • Sollte ich meine Antidepressiva absetzen?
  • Warum ist die QEEG-Untersuchung notwendig?
  • Kann man sich einfach zur Behandlung anmelden?
  • Gibt es eine Warteliste?
  • Wird die rTMS Therapie stationär durchgeführt?
Funktioniert rTMS?

rTMS gilt als sichere, nicht-invasive Neuromodulationstherapie für depressive Erkrankungen (Janicak, O’Reardon, Smapson et al., 2008). Dabei wird über dem seitlichen Teil des Stirnhirns (dorsolaterale präfrontale Kortex) mithilfe einer Magnetspule ein magnetisches Feld induziert. Ab einer bestimmten Stärke kommt es zu elektromagnetischen Entladungen, die sich in Form von Impulsen bemerkbar machen. Diese rufen bei den, unter der Schädeldecke liegenden Hirnzellen (Neuronen), eine Aktivierung hervor. Durch diesen Mechanismus ist es möglich ganze neuronale Netzwerke, die mit der Entstehen und Aufrechterhaltung depressiver Symptome im Zusammenhang stehen, zu stimulieren, um langfristig die Aktivität dieser Netzwerke in die gewünschte, anti-depressive Richtung zu modulieren. rTMS wurde als Behandlungsmethode vielfach wissenschaftlich in multizentrischen, plazebo-kontrollierten Studien (George, Lisanby, Avery et al., 2010; Holtzheimer & McDonald, 2014; Levinson, Fitzgerald, Favalli et al., 2010) und Metaanalysen (Berlim, van den Eynde, Tovar-Perdomo et al., 2014) untersucht. Seit 2008 ist gemäß der US-amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA – Food and Drug Administration) rTMS als Behandlungsmethode bei Depressionen zugelassen. In Deutschland wird  rTMS seit 2015 in den nationalen Versorgungsleitlinien als alternative Behandlungsmethode bei Patienten, die primäre nicht auf eine psychopharmakologische Therapie mit Antidepressiva angesprochen haben, empfohlen. Die Wirksamkeit einer kombinierten Therapie von rTMS mit Psychotherapie wurde erstmals 2012 mit positiven Ergebnissen untersucht. Eine weitere Studien erfolgte 2017 mit insgesamt 196 Patienten. Die Resultate zeigen, dass 65% der Teilnehmer nach Therapieende eine signifikante Reduktion ihrer depressiven Symptome berichteten und zudem 56% eine Symptomfreiheit erreichten (Remission). 60% der Teilnehmer, die während der Therapie eine Symptomfreiheit erreicht hatten, haben diese auch noch 6 Monate nach Studienende aufrechterhalten können.

Kann ich nur rTMS, ohne Psychotherapie, erhalten?

Es gibt wissenschaftlich Hinweise darauf, dass die Kombination beider wirksamen Verfahren die allgemeine Therapiewirksamkeit erhöht. Daher empfehlen wir immer die begleitende Psychotherapie bei der Anwendung einer rTMS. Falls Sie jedoch bereits eine ambulante Psychotherapie woanders begonnen haben, können Sie diese weiterführen und unterstützend bei uns im neuroCare-Therapiezentrum eine rTMS-Zusatztherapie erhalten. Dieses erfolgt in enger Zusammenarbeit mit ihrem behandelnden Psychotherapeuten/in.

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Durchschnittlich werden 20-25 Sitzungen, mit einer Häufigkeit von mindestens 2 Stimulationen pro Woche empfohlen. Erfahrungsgemäß setzt nach 10-15 Sitzungen eine spürbare Verbesserung ein. Die Behandlung dauert mindestens 1 bis 4 Monate. Bei Patienten mit wiederkehrenden depressiven Episoden, die sehr gut auf diese Behandlungsmethode ansprechen, besteht die Möglichkeit eine Erhaltungstherapie mit einer monatlichen Sitzungsfrequenz fortzusetzen.

Hat rTMS Nebenwirkungen?

Generell gilt die rTMS als sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. Die häufigste Nebenwirkung sind leichte Kopfschmerzen. Diese können in der Regel mit herkömmlichen Schmerzmitteln, wie Ibuprofen oder Paracetamol, gut behandelt werden. Wenn sich das Magnetfeld entlädt, ertönt ein Klick-Geräusch. Die Lautstärke variiert je nach Intensität der Stimulation. Für Personen mit einem empfindlichen Gehör oder einer bereits bestehenden Hörschädigung wird in diesem Fall das Tragen von Ohrstöpseln empfohlen. In der Vergangenheit wurde bei der Erprobungsphase des rTMS Verfahrens in einzelnen Fällen von der Auslösung eines  epileptischen Anfalls berichtet (Rossi, Hallett, Rossini et al., 2009; Wassermann, 2000). Wie groß das Risiko für einen Anfall im Einzelfall ist, hängt in erster Linie von den individuellen Risikofaktoren des Patienten ab. Personen mit einem allgemein erhöhten Anfallsrisiko haben auch in Folge der Behandlung mit rTMS ein erhöhtes Risiko einen Anfall zu erleiden.
Diese Risikogruppe umfasst unter anderem Personen mit:

  • Epilepsie oder Krampfanfällen in der Vergangenheit
  • früherer Schlaganfall oder Infarkt
  • Gehirntumore und Operationen am Gehirn

Bei Personen aus dieser Risikogruppe wenden wir grundsätzlich keine rTMS an. Wir führen zusätzlich eine Hirnstrommessung (EEG) durch, um mögliche Risiken zu identifizieren. In etwa 5% aller finden wir Abweichungen. Allerdings ist hier eine rTMS in den meisten Fällen möglich.

Bei der Anwendung der tTMS folgen wir den international festgelegten Sicherheitsrichtlinien. Das Risiko eines Anfalls ist äußerst gering für Personen, die noch nie einen epileptischen Anfall hatten. Seit der Veröffentlichung von Sicherheitsrichtlinien bei der Behandlungs mit rTMS sind zudem keine weiteren Epileptischen Anfälle mehr berichtet worden.

Verursacht rTMS Schmerzen?

Im Allgemeinen beschreiben unsere Patienten das „magnetische Klicken” anfänglich als lästig, aber nicht schmerzhaft. Erfahrungsgemäß gewöhnen sie sich aber nach wenigen Sitzungen an dieses Gefühl.

Ist die Wirkung von rTMS anhaltend?

Anhand der Anzahl der Patienten,  die zu den Nachkontrolluntersuchungen erscheinen, können wir tendenziell schlussfolgern, dass die Kombination von rTMS und Psychotherapie bei der Mehrheit der Patienten über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten hinweg wirksam ist.
Unsere Daten zeigen, dass sechs Monate nach Therapieende auf der Depressionsskala (BDI) wesentlich niedrigere Werte als zum Zeitpunkt der Aufnahme gemessen werden.

Falls es zu einem depressiven Rückfall kommen sollte, können einige zusätzliche Sitzungen die Wirkung wieder auffrischen. Einige Patienten entscheiden sich vorbeugend für Erhaltungssitzungen einmal im Monat oder alle zwei bis drei Monate. Für Patienten mit einem erhöhten Rückfallrisiko, z.B. bei rezidivierenden Depressionen, empfehlen wir ebenfalls Erhaltungssitzungen, um weiteren Verschlechterungen vorzubeugen.

Worin unterscheiden sich rTMS und Neurofeedback?

Neurofeedback wurde ausführlich in der Behandlung von ADHS, Schlaf und Epilepsie untersucht und gilt aktuell als spezifisches und wirksamkeitsbasiertes Verfahren bei ADHS. Für die Depression gibt es allerdings nur sehr wenige Forschungsarbeiten unter kontrollierten Bedingungen. Deshalb kann Neurofeedback im Moment nicht als eine wirksame Behandlungsform für Depressionen angesehen werden. Die Anwendung der rTMS bei Depressionen ist hingegen intensiv erforscht und bietet daher eine größere und sicherere Aussicht auf Erfolg.

rTMS

Neurofeedback

Was ist der Unterschied zur Elektrokonvulsionstherapie (EKT)?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die rTMS bei Depression der EKT unterlegen ist. Allerdings gehen mit der rTMS,  durch den nicht-invasiven Charakter, weniger Nebenwirkungen einher. Die EKT ist ein hochwirksames Verfahren, besonders bei schweren und wahnhaften Depressionsverläufen, jedoch hat sie ein hohes Nebenwirkungsprofil. Zudem erfordert eine EKT die stationäre Aufnahme des Patienten, mit einer vorausgehenden Kurznarkose und Relaxation der Muskeln. Während der EKT wird ein Krampfanfall des Gehirns ausgelöst, der anti-depressive Effekte auslöst. Danach kann es zu kognitiven Störungen kommen, wie kurzzeitiger Gedächtnisverlust, Denkstörungen, Verwirrtheit und Benommenheit und in ganz seltenen Fällen zu überdauernden inselförmige Gedächtnislücken. Im Gegensatz dazu kann die rTMS ambulant und bei vollem Bewusstsein durchgeführt werden, wobei der Patienten danach selbstständig die Praxis verlassen kann. Eine Narkose oder Muskelrelaxation ist nicht erforderlich. Kognitive Störungen nach einer rTMS Behandlung sind nicht bekannt. Aus diesen Gründen wird die rTMS, im Vergleich zur EKT, insgesamt besser vertragen und angenommen.

Kann man mit rTMS auch bipolare Störungen oder Angst behandeln?

Die Wirkung der rTMS zielt auf die depressive Symptomatik ab. Sie wirkt daher am besten bei unipolaren Störungen. Die Wirkung bei bipolarer Störungen (oder manischer Depression) sind begrenzt. Aus diesem Grund wenden wir die rTMS bei diesem Störungsbild prinzipiell nicht an.

Angstzustände und Depression treten häufig zusammen auf. Die rTMS setzt an der Depression an, die Psychotherapie kann bei der Bewältigung von Angstzuständen helfen.

Bin ich nach der Behandlung fahrtüchtig?

Die rTMS beeinträchtigt Ihre Fahrtüchtigkeit nicht. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie selbst noch fahren können, sollten Sie eine Begleitperson mitbringen.

Sollte ich meine Antidepressiva absetzen?

Die rTMS-Therapie kann eine gute Unterstützung beim Absetzen von Medikamenten und der Rückfallprophylaxe bieten. Es ist allerdings nicht notwendig, vor Beginn der Behandlung die Medikamente zu reduzieren oder abzusetzen. Wenden Sie sich immer an Ihre/n Ärztin/Arzt oder Psychiater/in, wenn Sie weniger oder gar keine Medikamente mehr nehmen möchten.

Warum ist die QEEG-Untersuchung notwendig?

Während der qEEG- Untersuchung werden Ihre Hirnstromkurven gemessen. Anhand der Verläufe lassen sich sogenannte paroxysmale Aktivitätsmuster feststellen, die Hinweise auf eine Krampfneigung geben können. Daher wird diese Untersuchung aus Sicherheitsgründen vor Beginn einer rTMS-Therapie durchgeführt. Sie können die EEG-Messung aber auch extern in einer spezialisierten Arztpraxis vornehmen lassen oder bereits vorhandene Befunde, sofern sie nicht älter als 12 Monate sind, mitbringen. Sollten sich Auffälligkeiten in der EEG-Messung ergeben, muss die Indikation zur rTMS ärztlich bzw. psychiatrisch erneut geprüft werden.

Kann man sich einfach zur Behandlung anmelden?

Wenn Sie Depressionen haben, kann die rTMS-Behandlung für Sie in Frage kommen. Zunächst muss jedoch die Indikation für eine rTMS-Therapie ärztlich geprüft werden. Dazu machen Sie einen Termin, entweder bei uns in der Privatpraxis Dr. Palm oder bei Ihrer/Ihrem behandelnden Psychiater/in. Zudem gibt es einige Einschränkungen, bei denen wir schon im Vorfeld sagen können, dass die rTMS wahrscheinlich weniger wirksam sein wird.
Diese sind:
• psychotische Symptome oder Schizophrenie
• schwere Persönlichkeitsstörungen
• bipolare Störung oder manische Depression
• erfolglose Behandlung mit EKT

Sie können keine rTMS-Behandlung erhalten, wenn Sie:
• Epilepsie haben
• schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen
• einen Schlaganfall hatten
• an psychotischer Depression leiden.

Außerdem halten wir Rücksprache mit Ihrer/Ihrem behandelnden Arzt/Ärztin, falls Sie das nicht-zugelassene Medikament Parnate verschrieben bekommen haben.

Gibt es eine Warteliste?

Ja, üblicherweise gibt es eine (kurze) Warteliste mit variierenden Wartezeiten. Bitte kontaktieren Sie uns daher telefonisch oder per E-Mail, um aktuell verfügbare Termine zu erfragen.

Wird die rTMS Therapie stationär durchgeführt?

Nein, die Behandlung ist ambulant.

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Das neuroCare Therapiezentrum München bietet seit 2016 neben der psychotherapeutischen Grundversorgung, personalisierte Therapieverfahren mit modernster Neuromodulationtechnologie an. So nutzen wir beispielsweise bei ADHS erfolgreich die Technologie des Neurofeedbacks. Personen mit Depressionen und Zwangsstörungen können von der rTMS als Zusatzverfahren profitieren. Das Therapieangebot richtet sich sowohl an Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene.

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